Hannes Birnbacher, Windhagen/Ww.

Die alte Hassliebe: Linux

Es gibt viele gute Gründe, Linux als Desktop-Anwendung statt des vorherrschenden MS-Windows zu benutzen. Die Kosten gehören übrigens nicht dazu; für Linux wird man incl. Literatur, Schulung und Arbeitsstunden allemal mehr ausgeben als für Windows.
Windows als kommerzielles System ist aber auf Kopierschutz angewiesen, was Einschränkungen mit sich bringt. Um nur eines von unzähligen Beispielen herauszugreifen: so können Tabellenkalkulationsdaten von MS-Office 2007 in die älteren Versionen nur mit einem Tool von Microsoft eingelesen werden - und dieses Tool prüft ab, ob es auf einem gekauften MS-Windows läuft (WGA-Prüfung), sodaß die Kompatibilität mit dem kostenlosen Open Office nicht mehr gegeben ist. Und wer will, auch als Windows-User, erst ein teures Upgrade kaufen oder immer den umständlichen Weg über ein Tool gehen, wenn ihm von irgendwem eine Tabelle im (bisherigen) Excel-Format per Mail nur mal zur Einsicht oder Information übersandt wird.

  • Woher Linux nehmen? Heute ist für mich eigentlich nur Ubuntu aktuell, und ich nehme nur die Versionen mit 5-Jahre-Support ("LTS", sie heissen entsprechend des Herausgabedateums 14.04, 16.04 und das nächste wird in 2018 als 18.04 herauskommen), und bevorzuge nicht die Grundversion Ubuntu, die auf älteren Bürocomputern ziemlich lahm läuft, sondern die Variante Xubuntu, die auf den verspielten Kram wie herumschwirrende Programmfenster, geschmackslose Bildschirmhintergründe zur Auswahl etc. verzichtet, ohne Nachteile.
    Da Linux einheitlich entwickelt und gesteuert wird, sind die unterschiedlichen End-Versionen vollkommen unwichtig. Für Linux kauft man keine Anwendungsprogramme, sondern lädt sie von der jeweiligen Organisation herunter, z.B. bei Ubuntu in sogenannten "Repositories". (Ähnlich ist das beim Google Store für Android-Smartphones oder beim dem Apple Store für iPhone). Die Tausende Anwendungsprogramme werden von diesen Organisationen bereitgestellt und alle aufeinander abgestimmt, sodass man für seinen eigenen Betriebssystemstand keines erwischen kann, das dann nicht läuft, virenverseucht ist oder den Computer zum Absturz bringt. Linuxe sind also praktisch alle gleich, aber es kommt darauf an, dass die Repositories immer die aktuellen Programmversionen bereithalten und technisch sorgfältig gepflegt werden.
  • Professionelle Bildbearbeitung: Image Magick als Kommandozeilenprogramm. Hervorragend, wenn man weiss, was man eintippen muss (siehe Tutorial auf dieser Website). Aufgaben wie "verkleinere alle Bilder im Verzeichnis X auf 400 Pixel Breite, ziehe den Kontrast um 20 Prozent hoch und kopiere die Resultate in Verzeichnis Y", wie sie im Batchmodus von Irfanview erledigt werden können, können mit Image Magick erledigt werden. Wie bei vielen professionellen Aufgaben kann hier nicht mit einer bunten Bedieneroberfläche und der Maus gearbeitet werden, sondern man muß sich eine Kladde mit den notwendigen Kommandozeilenbefehlen anlegen.
  • Scannerprogramm: Vuescan. Es ist kommerzielle Software (Preis 39,95 US-Dollar, es gibt auch eine kostenlose Version) und gehört, neben SilverFast, zu den zwei führenden Softwareprodukten für Scanner überhaupt, wobei ich selber es für die bessere Alternative halte. Die Lizenz gilt für Windows und Linux. Bei mir sind beide Versionen installiert, unter Linux und unter Windows2000 in einer Virtualbox, da mein Canon D2400U Scanner nicht ohne einen Windowstreiber läuft. Der Nikon LS-1000 Scanner funktionierte ohne weiteres Zutun mit der SCSI-Schnittstelle (vorausgesetzt, der SCSI-Scanner war beim Booten eingeschaltet, damit er erkannt wird).
  • Ganze Websites oder bestimmte Dateien schnell aus dem Internet herunterladen: wget
  • Electronic Banking: Hibiscus (in der Jameica-Umgebung unter Java). Wertvoll ist mir dieses Programm, weil es auch Lastschriften kann. Was will man mehr: es existiert sowohl für Linux, als auch für Mac und Windows, es kann (mit dem Parameteraufruf -f[Verzeichnis]) auf unterschiedliche Daten gerichtet werden, auch wenn diese auf einem USB-Stick sind, ist also mobil und sogar sozusagen mandantenfähig, und es kann in der Windowsversion auch portabel mitsamt Java-Laufzeitumgebung auf einem USB-Stick installiert werden. Dazu gibt's auch noch Plugins für eine Vereinsverwaltung und eine Einnahme/Überschußrechnung, wenn einem die eingebaute Ausgabenübersicht nicht ausreicht.
  • Officeprogramm und Arbeitsumgebung
    Vorbemerkung: ich habe jetzt, 2017, fast die ganze Linux-Seite hier als veraltet gelöscht. Hier ein Ausschnitt aus einer anderweitigen Diskussion mit meinen Anmerkungen für ein Officeprogramm und andere Anwendungen:
    Ursprünglich als kostenpflichtige Konkurrenz zu Microsoft Office angeboten, war Star Office so schlecht (es gab z.B. nur französische Doppelklammern anstatt Anführungszeichen, und nur Spezialisten konnten das ändern), dass es freigegeben und als Open Office verschenkt wurde. Nach 10 Jahren Entwicklung hat das ursprüngliche Team nichts mehr dran getan und ein Abkömmling wird von anderen unter Libre Office weiterentwickelt. 
    Open Office/ Libre Office ist für fast alle Anwender genausogut oder besser als Microsoft Office. Ausnahmen gibt es, wenn Datenaustausch mit Microsoft Anwendern bei Dokumenten mit fortgeschrittenen Makros oder hochgestochenen Formatierungen notwendig wird (natürlich kann Open/Libre Office die Formate wie .doc und .xls von Microsoft seit langem lesen und schreiben). Darüberhinaus kann Microsoft Excel sich den Inhalt von Tabellenzellen direkt aus dem Internet holen; Börsianer lassen sie auf Aktienkurse im Internet zugreifen und haben dann bei jedem Aufruf die tagesaktuellen Werte in ihren Tabellen. 

    Ich schätze an Open/Libre Office, daß es für Windows und Linux erhältlich ist, sodass ich auf jedem der Computersysteme das gleiche Programm mit der gleichen Bedienung und den gleichen Formaten vorfinde, und dass ich in Open/Libre Office alle Dokumente ohne Fisimatenten, zusätzliche Programme usw. usf. als PDF abspeichern kann. (Ich habe unter Linux fast nur Programme, die es auch für Windows gibt, wie Firefox, Thunderbird, GIMP, VLC Media Player, Vuescan für Scanner, oder z.B. Hibiscus für Banking und Buchhaltung, Bluegriffon für Webdesign und Blogs, Calibre für E-Books, Viking für GPS-Aufzeichnungen usw.).
    Der Grund, warum ein Privatanwender kein Open/Libre Office verwenden wollen könnte, spricht bei dieser Gruppe auch gegen Microsoft Office: es ist ein Riesenprogramm mit vielen Modulen, das auf Uralt-Computern nicht läuft. Als die ganze Kacke anfing mit Seriennummer eingeben und wenn man den Computer wechselte, irgendwo anrufen und eine neue Freigabe holen usw., wechselte ich einfach zu Linux, womit gleich auch das Problem mit Viren und Trojanern erledigt war. 
  • Vernetzung

Für mich stellte sich die Aufgabe, einen Laptop und einen extra für Anwendungsprogramme unter MS-Windows, z.B. Buchhaltung oder Corel Draw, aufgestellten Computer mit dem Haupt-Computer unter Linux zu vernetzen.
Hierfür zieht man am besten eine der zahlreichen Anleitungen für die Installation von SAMBA zu Rate.

Was ist Samba?

Samba ist nicht das "Programm", das für die Vernetzung von Computern unter Linux zuständig ist. Samba simuliert in einem Netzwerk den Effekt der "Netzwerkumgebung" von MS-Windows. Man muss also nicht Samba laufen lassen, um vom Linuxcomputer aus auf die Windows-Computer zugreifen zu können, aber umgekehrt, um von Windows-Computern aus auf den Linux-Computer zuzugreifen. Anleitungen hierzu sind im vorigen Absatz "nur" empfohlen, weil sie die Voraussetzungen für die Vernetzung natürlich mit abdecken. Das Thema ist viel zu komplex, um hier vollständig abgehandelt zu werden. Nachstehend werden nur einige Stolpersteine erwähnt.

Es müsste eigentlich alles geklappt haben - warum funktioniert es nicht?

Man muss auf den Windowscomputern erst Laufwerke "freigeben", damit sie im Netzwerk gesehen werden können (Rechtsklick auf ein Laufwerk im Datei-Explorer - Eigenschaften - Freigabe, und dann dem Laufwerk oder Directory einen Namen verpassen). Auch unter Linux muss man Laufwerke oder Directorys freigeben. Dort nennt man das "Shares". Man trage im Verwaltungsprogramm "swat" unter Shares einen neuen Namen ein, klicke hinterher (!) links daneben auf "create share" und bekommt dann weiter unten unter anderem angeboten, einen Pfad einzutragen, für den die Freigabe gelten soll.

Voraussetzungen auf den Windows-Computern.

Das Programm unter Windows heisst "Client für Microsoft Netzwerke". Das Übertragungsverfahren heisst "TCP/IP". Beide sind über /Einstellungen/Netzwerk in der Systemsteuerung zusätzlich zu allem anderen zu installieren, sofern nicht schon vorhanden. In dem Tab "Identifikation" ist der Rechnername einzutragen, unter dem der Windowscomputer im Netzwerk laufen soll. Dieser Name wird (siehe unten) auch auf dem Linuxcomputer angelegt. Ferner ist per "Eigenschaften" von "TCP/IP" die IP-Nummer einzutragen, unter der sich der Windowscomputer im Netzwerk angesprochen fühlen soll, z.B. 192.168.99.4. Diese Nummer muss auch in einer Tabelle auf dem Linux-Computer vorkommen. Die Tabelle heisst /etc/hosts.

Voraussetzungen auf dem Linux-Computer

Nun, das Netzwerk muss laufen. Wenn alle Computer eingestöpselt und hochgefahren sind, sollte man die vorgenannte IP-Nummer mit der Befehlseingabe, z.B., "ping 192.168.99.4" ansprechen können.
Für die angeschlossenen Windows-Computer legt man nacheinander in der Userverwaltung von Linux (Programm z.B. "kuser", als root aufzurufen) und in der Passwortverwaltung von swat denselben Namen mit Passwort an, den man auf dem Windowscomputer vergeben hat. Weiterhin ist eine Gruppe zu vergeben. Das muss dieselbe Gruppe sein, die man auch unter "Identifikation" auf den Windowscomputern vergeben hat. Die Gruppe ist für den jeweiligen User von Linux anzukreuzen und zentral in swat (Global) einzutragen. Groß/Kleinschreibung ist bei allen zu beachten.
Das vorerwähnte Verwaltungsprogramm von Samba, swat, wird über einen Browser, z.B. Firefox, aufgerufen. Man trägt als URL einfach ein: http://localhost:901. Kriegt man eine Fehlermeldung, so prüfe man nach, ob der Port 901 für swat in der Datei /etc/services freigeschaltet (ent-kreuzt) ist - und ob überhaupt die Dienste (xinetd) aktiv sind (bei SuSE in Yast2 über "Netzwerkdienste" einzustellen, di eZeile mit "swat" durch Anklicken markieren und per "Status wechseln" Button auf "an" stellen, wenn nicht schon geschehen).

Und der Zugriff vom Linuxcomputer auf den/die Windowscomputer?

Hat man alles richtig aufgesetzt, hat/haben der/die Windowscomputer den richtigen Namen verliehen bekommen, ist ihre IP-Nummer in "hosts" erwähnt und haben sie sich am Netzwerk eingeloggt, kann man ihre freigegebenen Laufwerke oder Directories mounten.
Bsp., der Windowscomputer heisse "medion", und man habe seinem Laufwerk "C:" die Freigabe unter Windows eingetragen und dieses Laufwerk dann "medion_c" genannt, so lege man auf der Festplatte des Linuxcomputers ein Verzeichnis an, z.B. "/laptop" und tippe ein: "mount //medion/medion_c /laptop", und schon kann man mit jedem Dateimanager, Browser usw. die Dateien auf dem Laptop sehen, wenn man das Verzeichnis "/laptop" durchsucht.

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