Hannes Birnbacher, Windhagen/Ww.

Die alte Hassliebe: Linux

Es gibt viele gute Gründe, Linux als Desktop-Anwendung statt des vorherrschenden MS-Windows zu benutzen. Die Kosten gehören übrigens nicht dazu; für Linux wird man incl. Literatur, Schulung und Arbeitsstunden allemal mehr ausgeben als für Windows. Microsoft Office "Home" wird derzeit zu 79 Euro für drei Computer verkauft.

Windows als kommerzielles System ist aber auf Kopierschutz angewiesen, was Einschränkungen mit sich bringt. Um nur eines von unzähligen Beispielen herauszugreifen: so können Tabellenkalkulationsdaten des neuesten MS-Office 2007 in die älteren Versionen nur mit einem Tool von Microsoft eingelesen werden - und dieses Tool prüft ab, ob es auf einem gekauften MS-Windows läuft (WGA-Prüfung), sodaß die Kompatibilität mit dem kostenlosen Open Office nicht mehr gegeben ist. Und wer will, auch als Windows-User, erst ein teures Upgrade kaufen oder immer den umständlichen Weg über ein Tool gehen, wenn ihm von irgendwem eine Tabelle im (bisherigen) Excel-Format per Mail nur mal zur Einsicht oder Information übersandt wird.

Der Computernutzer kann aber nur zwischen Teufel und Beelzebub wählen. Für produktives Arbeiten kann nämlich auch Linux ruinös sein. Möchte der Anwender eines verhältnismäßig modernen Suse Linux 10.3 seine Daten sichern, vielleicht auf eine externe Festplatte? Ist diese Festplatte unter Windows lesbar (NTFS formatiert)? Das ist ganz einfach. Er muß nur wissen: 

"Als Grundvoraussetzung, die jedoch so oder so fuer schreibenden Zugriff via fuse/ntfs-3g erfuellt werden muss, sollten die Pakete (Ueberraschung) fuse und ntfs-3g installiert sein. Anschliessend wird eine Datei /usr/share/hal/fdi/policy/10osvendor/10-ntfs-policy.fdi mit folgendem Inhalt angelegt:

<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<deviceinfo version="0.2">
<device>
<match key="volume.fstype" string="ntfs">
<match key="@block.storage_device:storage.hotpluggable" bool="true">
<merge key="volume.fstype" type="string">ntfs-3g</merge>
<merge key="volume.policy.mount_filesystem" type="string">ntfs-3g</merge>
<append key="volume.mount.valid_options" type="strlist">locale=</append>
</match>
</match>
</device>
</deviceinfo>"

Nach einem "rchal restart" (logischerweise auch als root) werden ab sofort alle NTFS-formatierten Wechselmedien automatisch mit ntfs-3g und schreibbar via HAL eingebunden."


Hallo, Firma Suse, geht's noch? Computermanagement by Hack?! Das war übrigens keine Anleitung aus der Computersteinzeit und auch keine von Suse, sondern vom 24.10.2008 aus dem Forum http://www.pc-forum24.de, und dem Autor gebührt große Anerkennung, nicht nur für sein hervorragendes Fachwissen, sondern daß er einen Weg aufgezeigt hat, mit dem bei Privatanwendern, Firmen und Behörden in Deutschland wohl meistverbreitetem Linux Datensicherungen auf dem gängigsten Medium möglich zu machen.
Will ich mir ein Anwendungsprogramm für Linux "kostenlos" herunterladen, braucht Suse Linux auf meinem 1800er AMD System mit 1,5 GB RAM etliche Minuten, um seine Datenbanken einzulesen - bei jedem gesuchten Programm, wohlgemerkt. Drei Programme, drei Schreibweisen bei jedem durchprobiert, eine halbe oder ganze Stunde vergangen.

Das vielleicht beliebteste Datensicherungsprogramm, Acronis bis mindestens Version 12 kann nicht mehr automatisch mit modernen Linuxen umgehen, obwohl sie's behaupten, also kann man den Plan vergessen, damit systemunabhängig Datensicherungen seiner Linux- und Windowscomputer (z.B. Server, Desktop und Laptop) zu produzieren. Linux-Tools sind nicht brauchbar. Wenn ich etwa bei der Arbeit eine Kundenwebsite vermasselt habe, möchte ich alles andere, als von einer Live DVD neu booten und mit "dd" in 12 Stunden die ganze Partition nach altem Stand zurücksichern, um mein Directory von Webseiten des Kunden wiederzubekommen. Immerhin vereinfacht sbackup die Datensicherung menügesteuert per Skript, sodaß man seine voreingestellten Dateien auf einer anderen, z.B. externen Festplatte sichern lassen kann. Es entsteht ein komprimiertes Archiv, das im Notfall wiederhergestellt wird. Allerdings sind die Benutzerrechte hinterher mühsam anzupassen, der PC wird mit den wiederhergestellten Dateien mit "root" (dem Administrator) als Besitzer nicht richtig laufen.

Mit der DVD-RAM hat man jedoch ein externes Sicherungsmittel, auf das man einfach kopieren und von dem man immer einzelne Dateien usw. rücksichern kann.

Für produktive Anwendungen ist auch Debian (Ubuntu!), das eigentlich als Linux für Profis gilt, noch nicht so recht geeignet. Linux hängt entscheidend von einer Datei "sources.list" ab, die alle paar Monate geändert bzw. ungültig wird, und es ist auch nicht die funktionierende Version irgendwo herunterzuladen - man ist auf Tipps aus den Fachgruppen angewiesen, an welcher Stelle mit einem Editor nun was anzupassen ist. Wer sich nicht ununterbrochen damit beschäftigt, findet sich nach einem Jahr mit einem System wieder, in das er keine Sicherheitsupdates oder neuen Programmversionen mehr einspielen kann. Erst in letzter Zeit (aktuell: 2010) haben die Macher der beliebtesten Distributionen und die sog. Fachpresse gemerkt, daß sie den ahnungslosen Neulingen diese Informationen vielleicht etwas näherbringen sollten.
Das Office-Paket, mit dem die Linuxwelt Microsoft Paroli zu bieten glaubt, funktionierte bei mir jahrelang nicht, sondern bringt bei jedem Speichern bis zu einem Dutzend Fehlermeldungen für seine Basic-Scriptsprache (Originalton eines Eingeweihten "das weiß doch jeder, daß in dem package ein Fehler war") und so weiter.

Aber bei vielen Programmen sind langsam Verbesserungen zu verzeichnen. Mit CUPS gibt es endlich ein einfaches Drucksystem, das von praktisch jedem Anwenderprogramm angesprochen wird und einen einheitlichen Druckertreiber bereitstellt. Das Bildverarbeitungsprogramm GIMP in seiner letzten Version löscht nun nicht mehr die sog. Exif-Informationen in den Bildern aus der Digitalcamera, usw.

Ausnahmen sind bei mir nur Aktienchart- und Buchführungsprogramme.

Für mich der schlimmste Nachteil von Linux für das Arbeitstempo im Beruf, neben den kleinen ergonomischen Mängeln der Programme diversester Autoren, ist noch die Fontverwaltung. Auch bei hoch automatisierten Installationen ist man hier auf Tricks und komplizierte händische Einrichtung angewiesen (das heisst, man muss auch ein legals MS-Windows besitzen und kopiert sich seine TTF-Fontdateien in sein Linux - dann steht zwischen dem Anwender und einer sauberen Schrift in seinen Dokumenten nur noch die Anwendung eines ziemlich geheimen Installationsbefehls für die Fonts wie "sudo fc-cache -f -v", der auch noch bei unterschiedlichen Linuxen verschieden ist) oder muß eben verzichten.
Ich erlebte z.B. noch gegen Anfang der 90er Jahre den Durchbruch von MS-Windows mit der Version 3.0, schnell gefolgt von 3.1. Hatte vorher jedes Programm seine eigene Druckerverwaltung und seine eigenen Fonts mitgebracht, die z.B. unter Wordperfekt für DOS erst einmal stundenlang in jeder Größe entpackt werden mussten, brachte Windows skalierbare Fonts für Druck und Bildschirm mit. Dass in einer Standardinstallation (Knoppix/Debian) von Linux bis heute noch meine Bildschirmfonts in manchen Größen grob und pixelig aussehen, hat mich auch nie gestört. Aber will man eine Skizze mit einem Vektorzeichenprogramm erstellen, bindet dieses die Bildschirmfonts ein. Man vergleiche selbst, wie das unter MS-Windows mit Coreldraw und TTF-Fonts und unter Linux mit Xfig und den Systemfonts aussieht:

Coreldraw Grafik
Xfig Grafik

Die Produktivität

Tja, und wie steht es um die Produktivität, um die nutzbaren Arbeitsergebnisse innerhalb vorgegebener Zeit? Hier kann man nur das klassische Unentschieden vergeben: "Teils-teils, es kommt darauf an".
Nehmen wir als Beispiel den visuellen HTML-Editor Amaya. Er produziert, im Gegensatz zu Windows-Pendants wie GoLive oder Dreamweaver, immer den einfachsten und saubersten Code für die jeweilige Seite - es gibt in der kommerziellen Welt kein Pendant dazu. Aber wer eine vorhandene Seite öffnen will, sich erst einmal durch die linuxtypische Hierarchie, die beim "Heimatverzeichnis" anfängt, durchgeklickt hat zu dem Verzeichnis auf seiner Platte, auf dem man seine Web-Entwicklungen hat, und dann noch den Default für die Endung "*.*htm* ändert auf "*.m4", ist nach der oft viertelminütigen Klick-Orgie und einem leichtsinnigen "Enter" wieder dort auf der Platte, wo er angefangen hat;-). Amaya stellt die Dateien und Unterverzeichnisse in der Reihenfolge "Verzeichnisse, Großbuchstaben, Kleinbuchstaben" dar und öffnet sie auf Einfachklick. Wendet man den gewohnten Doppelklick an (was systemweit nicht einstellbar ist), so landet man bei der nächsten, so schnell gar nicht angezeigten Datei im Unterverzeichnis unter dem Cursor, wenn vorhanden.
Ist dies nur ein Zeichen für den Individualismus der Entwickler, sind andere Dinge einfach lästig. Linux-Programmierer wollen, daß man die höchsten Sicherheitsstandards einhält und sich für den Betrieb seines Systems unter einem anderen Benutzer-Namen einloggt, als man für dessen Installation benutzen musste. Die Erklärung ist unter anderem, daß man dann nicht durch einen Vertipper ungewollt Dateien löschen könne. Wer so viel Fürsorge nicht akzeptieren möchte, wird schnell eines Besseren belehrt - weder die Installation der Windows-Emulation "WINE" noch der Aufruf des HTML-Editors "Bluefish" sind, wenn man nicht die Tricks kennt, unter dem Benutzernamen möglich, der zur erstmaligen Systeminstallation benutzt wurde. Folgt man aber dem Ansinnen, für den Alltag einen anderen Benutzer anzulegen, so stellt man fest, daß einige Funktionen wie die Verbindung mit dem Internet nicht mehr funktionieren, und es gibt keine anfängergerechten Anleitungen, um über diese Hürde hinwegzukommen. 

Weitere Probleme ergeben sich natürlich aus der gewaltigen Vielfalt der erhältlichen Linux-Software. Will man im Bildbearbeitungsprogramm "Image Magick" eine Fotodatei aufrufen, so kann man sie auf seiner Platte per Menü nur suchen mit "File", "Open", und muss dann (wir erinnern uns, dass Linux-Software an einer vom eingeloggten Benutzernamen abhängigen Stelle der Festplatte anfängt zu suchen, die man auch nicht ändern oder einstellen kann) mit Druck auf Buttons "Up" oder "Home" navigieren. Die Verzeichnisse und Dateien werden gemischt alphabetisch angezeigt, egal ob Klein- oder Großbuchstaben. Sie werden per Doppelklick geöffnet, der ziemlich schnell erfolgen muß. Trotz gewissenhafter Recherche ist es mir noch nicht gelungen, das erforderliche Klicktempo zu ändern, genau wie es laut meiner Erfahrung und Aussagen anderer kaum gelingt, die viel zu langsame Umsetzung der Mausbewegungen zu beschleunigen. Bei mir wird in Image Magick ein Dreh am Mausrad (weil man durch die Liste scrollen möchte) als Aufruf der gerade fokussierten Datei oder des gerade unter dem Cursor befindlichen Directories behandelt. Handelt es sich dabei um keine entschlüsselbare Bilddatei, sondern z.B. um einen Brief, wird der Roh-Dateiinhalt ohne Zeilenumbruch in einem gesonderten Fenster dargestellt, das man nicht schließen kann, weil der rechte Rand mit dem "Schließen"-Kreuz jenseits des rechten Bildschirmrandes liegt. Macht man hingegen seine Bildbearbeitung mit GIMP, so werden Verzeichnisse und Dateien in zwei getrennten Fenstern angezeigt, wobei die Sortierung in jedem für Groß- und Kleinbuchstaben gemischt erfolgt. Die Navigation "ein Verzeichnis höher" erfolgt über den Doppelpunkt im Dateiverzeichnis, die Auswahl mit Doppelklick. Das Scrollrad tut, was man von ihm erwartet, und lässt die Dateien im Verzeichnis nach oben und unten durchlaufen. 

Aber wer kennt als Windows-Nutzer nicht ebenso zahlreiche Ärgernisse, die zu einem Boom der "Windows-Tricks-und-Tipps"-Bücher und Zeitschriften geführt haben? Ich nenne nur als Beispiel aus Win98 die Anzeige von Verzeichnissen im Explorer, die im Auslieferungszustand nebeneinander mit Piktogrammen und mit Dateinamen ohne die Endungen erfolgt, beginnend in einem absurderweise nicht auf einer Datenpartition zwecks regelmäßigen Backups, sondern einem Unterverzeichnis, das in die Programm- bez. Betriebssystempartition hineingemischt worden ist, namens "Eigene Dateien".
Andere Eigenheiten von Linux sind deutlich produktivitätsfördernd. Wer sein Geld mit dem Computer verdient wie ich, wird mir zustimmen, daß die Eingabe von Befehlen für das Hilfsprogramm "Convert", z.B. um alle soeben von Digitalcamera heruntergeladenen Bilder in das Verzeichnis "X" herüberzukopieren, sie dabei in Thumbnails zu verwandeln und zu komprimieren, und noch das Gamma um zwanzig Prozent hochzuziehen, als Kommandozeilenbefehl wesentlich schneller geht als die entsprechende Funktion z.B. in dem Windowsprogramm "Irfanview" für Batchbearbeitung, wo man für denselben Effekt eine wahre Klickorgie durchführen muß.

Nicht anders verhält es sich mit der für Webdesigner wichtigen Funktion für das automatische Hochladen aktualisierter Seiten in's Internet. Bei Linux-"sitecopy" hat man einmal die Quell- und Zieladressen sowie die relevanten Datei-Endungen in eine Konfiguration hineingeschrieben und tippt für die Anwendung einfach: "Sitecopy -u xxx.de". Beim FTP-Uploader für MS-Windows hat man die Stammdaten wieder einmal in einer riesigen Klick-Orgie eingegeben und muss für die tägliche Anwendung eine graphische Oberfläche hochfahren, sowie eine Anzahl blödsinniger Piktogramme kennen. Bei diesem Programm habe ich auch schmerzhaft den Unterschied zwischen Linux-üblicher Open Source Software und kommerzieller Software für MS-Windows kennengelernt. Nicht nur, daß ein Registriercode zu erlangen und mühsam einzugeben war, bevor meine Version für mehrere Websites überhaupt lauffähig wurde. Da sich der Verkäufer von FTP-Uploader, eine Firma Berentz in Köln, darüber geärgert hatte, wie ich mich über eine Änderung am Programm geäussert habe, hat er mich für die Nutzung des 50...200 Mark teuren Tools gesperrt: keine Erweiterung um zusätzliche Websites und keine Updates, z.B. Anpassungen an zukünftige FTP-Verfahren mehr, sowie die Lizenz ohne Entschädigung entzogen. Wo hat man bei Linux-Software schon gehört, daß man einen Prozeß führen muß, um seine bezahlte Software auch wie vereinbart benutzen zu können...

Tipps zum Einstieg

  • Welche Distribution?
    • Linux from Scratch (LFS), Gentoo, Rocklinux, From Power Up To Bash Prompt Howto sind Wege, Linux von Grund auf selber zu compilieren und zu konfigurieren. Ehrgeizige Power-User sollten eine dieser Möglichkeiten durchspielen, um schnell Bescheid zu wissen und das Grundlagenkönnen zu erwerben, Probleme zu beseitigen. Für den User ohne Vorkenntnisse sind sie nicht geeignet.
    • SuSe, RedHat, Mandrake und einige andere sind kommerzielle Distributionen. Sie bieten gegen Bezahlung eine Hotline für eine gewisse Zeit nach dem Kauf an, und die weite Verbreitung vor allem von SuSe macht es leichter, Linux zu betreiben und von zahlreichen Stellen Fragen beantwortet zu bekommen. Dennoch wird man, nicht anders als bei MS-Windows, nicht drumherum kommen, ab und zu ein System auf dem neusten Stand beschaffen und einrichten zu müssen.
    • Debian wird von Freiwilligen gepflegt und stellt ein funktionierendes System dar, seine Installation fortlaufend über das Internet, bevorzugt natürlich einen DSL-Anschluß, auf neuestem Stand zu halten. Es ist die Distribution für Profis, weil man es nicht mitsamt Dreimonatssupport o.ä. im Laden kauft, und weil gewisse Schlüssel-Informationen als so selbstverständlich erachtet werden (wie man die aktuellen Programmquellen in ein paar Zeilen in eine Datei sources.list hineinschreibt, und wie die Befehle a la apt-get install angewendet werden), daß man den Eindruck hat, Laien sollten absichtlich ferngehalten werden.
      Tipp: http://www.apt-get.org/main/. Hier findet man alles, was man in der offiziellen Distribution vermisst (z.B. Acrobat Reader) ... auf eigenes Risiko, natürlich.
      Ein einfacher Weg, die überlegene Debian-Distribution mit einer hervorragenden Hardwareerkennung zu verbinden, ist die Installation der Knoppix-CD auf Festplatte.

Programme

Mit den nachstehenden Programmen erledige ich alle Aufgaben am Computer. Stand: überarbeitet 23.11.08. Systemsoftware im weitesten Sinne wie Samba (zur Verbindung mit meinem Windows-Laptop per Netzwerkkarte), apt-get zur Installation neuer Programme und Versionen etc. habe ich hier nicht näher ausgeführt.

  • E-Mail: kmail
  • Internet (www): Firefox 3
  • Briefe: Tja, da liegt so einiges im Argen. Abiword 2.0.1 ebenso wie seine Vorversionen, entspricht in der Leistung Windows Write, hatte auf meinem System leider die Eigenheit, nach Umlauten einen Zwischenraum einzufügen und dafür den zum nächsten Wort einzukassieren. Punkte berühren bisweilen den angrenzenden Buchstaben. Ich verwende nunmehr Open Office 2.3.0 Writer auch für den kleinsten Brief, habe aber inzwischen gelernt, die Seitenvorlagen auszunützen und da ist dieses träge und umfangreiche Programm wieder sinnvoll geworden.
  • Tabellenkalkulation: Gnumeric stellte ab einer bestimmten Version die ordnungsgemäße Funktion ein (multiplizierte beim Import von Excel oder von alten xls-Dokumenten jede Zelle bei jedem Aufruf mit 1000). Open Office 2.3.0 Calc ist jetzt zur vollen Zufriedenheit in Gebrauch.
  • Layout von Prospekten, Newslettern usw.: Open Office Writer glänzt hier, z.B. mit Zeichenfunktionen, senkrecht gestellten Schriftzügen, selbstverständlich Einfügen von Fotos und Grafiken und speichert diese anstandslos auch gleich in PDF.
  • PDF-Dokumente: Open Office wie gehabt.
  • Erstellung von Websites: Kompozer für die "einfachen Fälle" (wie z.B. das Fortschreiben dieser Seite hier im Moment), Adobe GoLive CS2 unter Virtualbox für die professionellen, Sitecopy für das Hochladen.
  • Als Webserver zum Erproben z.B. von SSI und CGI-Skripten hatte ich Apache 1.3.29 installiert. Hier glänzt Debian - das Programm war praktisch mit einer Ein-Klick-Installation lauffertig.
  • Nachdem es mir auf die Nerven ging, den Midnight Commander (Norton-Commander-Clone) als FTP-Programm zu benutzen, weil ich jedesmal die FTP-Site, User und Passwort manuell akribisch genau eintippen musste, stieß ich auf gFTP 2.0.16, ein leicht zu bedienendes FTP-Programm mit Bookmarks, viel übersichtlicher als WS-FTP aus der Windowswelt.
  • Bildbearbeitung: GIMP 2.2
  • Palm-Handheld synchronisieren bzw. dessen Daten auf dem PC bearbeiten, Tageskalender: JPilot 0.99.9
  • Tägliches Erinnerungsprogramm: KAlarm
  • Zeiterfassung für Aufträge: KArm (aus dem Paket Kdepim)
  • Outlineprogramm. Für mich ist es immer wichtig gewesen, ein Outlineprogramm für Planungen zu haben. Unübertroffen war PC-Outline von Brown Bag Software, eine Shareware für MS-DOS von ca. 1988, die unter Linux in der DOS-Emulation läuft. Unter Linux stehtTuxCards von www.tuxcards.de zur Verfügung. Es hat zwei Fenster. Links eine typische Explorer-Struktur, in der man mit Insert Einträge und Unter-Einträge schafft und mit der Maus verschieben kann. Rechts der Notiz-Text zu dem aktuell angeklickten oder gerade geschaffenen Eintrag. Unschlagbar auch für Kommentare zu Sachgebieten oder Sammlungen etc.
  • Fotos angucken, Diashow, verschieben und umbenennen: GQView 2.1.1. Mit einer Tastenkombination (Strg + 1) wird das aktuelle Bild automatisch in GIMP zur Bearbeitung aufgerufen, sodaß man (beinahe) für das Fehlen von Irfanview entschädigt ist, das Thumbnails, Betrachtung, Exif-Ansicht, Batchverarbeitung, die Herstellung von HTML-Galerieseiten für's Web und Bildbearbeitung in einem vereint. Galerieseiten erstelle ich genauso gut in Konqueror 3.5.7, gleichartige Verarbeitungsgänge an vielen Fotos gehen mit Image Magick sehr gut.
  • Fotos beschneiden, geradestellen, retuschieren, Helligkeit und Kontrast korrigieren: Gimp. Die neuesten Versionen löschen nun auch nicht mehr ungefragt die Exif-Daten von der Digitalcamera. Man sollte aber auch noch bei der Version 2 in "Datei", "Einstellungen", "Umgebung" eine Änderung vornehmen "keine Vorschau", sonst bekommt man von Gimp die ganze Festplatte mit der Zeit mit Unterverzeichnissen ".xvpics" für Thumbnails vollgemüllt. Die neue Version 2 hat endlich benutzerfreundliche und verständliche Menüs - ein Foto beschneiden und die Größe verändern ist jetzt einfach mit Markieren, Menü "Bild"-"Bild zuschneiden" bzw. "Skalieren" getan. Ein gutes Tutorial ist: http://www.leu.bw.schule.de/beruf/projektg/gew/mitteil/pdf/27_0509.pdf, nur fünf einfach zu verstehende Seiten lang, in deutsch. Gimp gibt's auch für MS-Windows (http://www2.arnes.si/~sopjsimo/gimp/stable.html), sodaß man mit einem einheitlichen Programm in beiden Systemen arbeiten kann.
    Anmerkung: Die EXIF-Daten haben übrigens einen kleinen Haken (in jedem Bildbearbeitungsprogramm und unter jedem Betriebssystem): sie enthalten einen winzigen Thumbnail. Wer also Bildteile wegschneidet, die nicht zur Veröffentlichung gedacht sind, sollte wissen, dass ein Betrachter etwa eines Bildausschnittes im Internet nach wie vor das Thumbnail des vollen Bildes sichtbar machen kann, wenn man dieses nicht z.B. mit Jhead löscht.
  • Professionelle Bildbearbeitung: Image Magick als Kommandozeilenprogramm. Hervorragend, wenn man weiss, was man eintippen muss (siehe Tutorial auf dieser Website). Aufgaben wie "verkleinere alle Bilder im Verzeichnis X auf 400 Pixel Breite, ziehe den Kontrast um 20 Prozent hoch und kopiere die Resultate in Verzeichnis Y", wie sie im Batchmodus von Irfanview erledigt werden können, können mit Image Magick erledigt werden. Wie bei vielen professionellen Aufgaben kann hier nicht mit einer bunten Bedieneroberfläche und der Maus gearbeitet werden, sondern man muß sich eine Kladde mit den notwendigen Kommandozeilenbefehlen anlegen.
  • Scannerprogramm: Vuescan. Es ist kommerzielle Software (Preis 39,95 US-Dollar) und gehört, neben SilverFast, zu den zwei führenden Softwareprodukten für Scanner überhaupt, wobei ich selber es für die bessere Alternative halte. Die Lizenz gilt für Windows und Linux. Bei mir sind beide Versionen installiert, unter Linux und unter Windows2000 in einer Virtualbox, da mein Canon D2400U Scanner nicht ohne einen Windowstreiber läuft. Der Nikon LS-1000 Scanner funktionierte ohne weiteres Zutun mit der SCSI-Schnittstelle (vorausgesetzt, der SCSI-Scanner war beim Booten eingeschaltet, damit er erkannt wird).
  • CD brennen: K3B. Dieses Linux-Brennprogramm ist erwachsen geworden, viel einfacher zu bedienen und schon wegen der Freiheit von Werbung und Registrierungs-Aufforderungen nicht so nervig wie das bekannteste Windows-Programm. ISOs brennen ist kein Problem, die Fähigkeit zum Erstellen von ISOs (auch ohne zu brennen) bringt K3B dann auch gleich mit und wenn man die Einstellungen kennt, ist das Brennen einer bootfähigen CD/DVD auch kein Problem, z.B. das Slipstreaming (Integration von Service Packs) von Windows-Installations-CD.
  • Musikdateien abspielen: Xine, xmms
  • mpg-Filme abspielen: gtv
  • PDF-Dateien ansehen: xpdf, kpdf
  • Bilder von Digitalcamera überspielen: GPhoto für die ältere mit seriellem Kabel. Sonst natürlich USB (siehe http://www.hannes-birnbacher.de/privat/jd2100f.html).
  • Bildschirmabdruck, etwa für Thumbnails in Links: GIMP (/Datei/Holen/).
  • Uhrzeit aus dem Internet stellen: ein Script mit den Befehlen (incl. Reserve-Server...)
    /usr/sbin/ntpdate ptbtime1.ptb.de
    /usr/sbin/ntpdate ptbtime2.ptb.de
  • Ganze Websites oder bestimmte Dateien schnell aus dem Internet herunterladen: wget
  • Umsatzsteuervoranmeldung im Elster-Verfahren an das Finanzamt übermitteln: Winston. Diese kommerzielle Software kommt in einer für Linux-Wine optimierten Installationsversion. Bei mir lief die Installation ohne jeden weiteren Eingriff nach einfachem Klick auf das RPM auf Anhieb.
  • Electronic Banking: Hibiscus (in der Jameica-Umgebung unter Java). Wertvoll ist mir dieses Programm, weil es auch Lastschriften kann. Was will man mehr: es existiert sowohl für Linux, als auch für Mac und Windows, es kann (mit dem Parameteraufruf -f[Verzeichnis]) auf unterschiedliche Daten gerichtet werden, auch wenn diese auf einem USB-Stick sind, ist also mobil und sogar sozusagen mandantenfähig, und es kann in der Windowsversion auch portabel mitsamt Java-Laufzeitumgebung auf einem USB-Stick installiert werden. Dazu gibt's auch noch Plugins für eine Vereinsverwaltung und eine Einnahme/Überschußrechnung, wenn einem die eingebaute Ausgabenübersicht nicht ausreicht.
  • Buchhaltung: Ich kenne immer noch keine für's Finanzamt zertifizierte Buchhaltung für Linux. Dafür verwende ich nach wie vor Lexware Buchhalter, das in einer Virtualbox mit Windows2000 läuft - und gar nicht schlecht läuft.
  • Für den Multimedia-PC im Wohnzimmer unentbehrlich: TV-Programm XAWTV. Dieses Programm steht dem Originalprogramm zu meiner Fernsehkarte von Hauppauge in nichts nach.
  • Information ohne Onlineverbindung: Videotext mit AleVT 1.6.1. Während sich die Videotextprogramme, die meiner Hauppauge-Karte und ihrer Vorgängerin von KNC beigelegen haben, als unbrauchbar insbesondere für eine schnelle und einfache Anzeige von Unterseiten wie bei den Aktienkursanzeigen diverser Fernsehsender erwiesen haben, funktioniert diese perfekt. Für MS-Windows gab es nichts Vergleichbares.

Vernetzung

Man sagt, Linux ist von Natur aus prima für Netzwerke. Das stimmt ja vielleicht, aber der Fehlerquellen für den Anfänger sind bei der Vernetzung viele.
Für mich stellte sich die Aufgabe, einen Laptop und einen extra für Anwendungsprogramme unter MS-Windows, z.B. Buchhaltung oder Corel Draw, aufgestellten Computer mit dem Haupt-Computer unter Linux zu vernetzen.
Hierfür zieht man am besten eine der zahlreichen Anleitungen für die Installation von SAMBA zu Rate.

Was ist Samba?

Samba ist nicht das "Programm", das für die Vernetzung von Computern unter Linux zuständig ist. Samba simuliert in einem Netzwerk den Effekt der "Netzwerkumgebung" von MS-Windows. Man muss also nicht Samba laufen lassen, um vom Linuxcomputer aus auf die Windows-Computer zugreifen zu können, aber umgekehrt, um von Windows-Computern aus auf den Linux-Computer zuzugreifen. Anleitungen hierzu sind im vorigen Absatz "nur" empfohlen, weil sie die Voraussetzungen für die Vernetzung natürlich mit abdecken. Das Thema ist viel zu komplex, um hier vollständig abgehandelt zu werden. Nachstehend werden nur einige Stolpersteine erwähnt.

Es müsste eigentlich alles geklappt haben - warum funktioniert es nicht?

Man muss auf den Windowscomputern erst Laufwerke "freigeben", damit sie im Netzwerk gesehen werden können (Rechtsklick auf ein Laufwerk im Datei-Explorer - Eigenschaften - Freigabe, und dann dem Laufwerk oder Directory einen Namen verpassen). Auch unter Linux muss man Laufwerke oder Directorys freigeben. Dort nennt man das "Shares". Man trage im Verwaltungsprogramm "swat" unter Shares einen neuen Namen ein, klicke hinterher (!) links daneben auf "create share" und bekommt dann weiter unten unter anderem angeboten, einen Pfad einzutragen, für den die Freigabe gelten soll.

Voraussetzungen auf den Windows-Computern.

Das Programm unter Windows heisst "Client für Microsoft Netzwerke". Das Übertragungsverfahren heisst "TCP/IP". Beide sind über /Einstellungen/Netzwerk in der Systemsteuerung zusätzlich zu allem anderen zu installieren, sofern nicht schon vorhanden. In dem Tab "Identifikation" ist der Rechnername einzutragen, unter dem der Windowscomputer im Netzwerk laufen soll. Dieser Name wird (siehe unten) auch auf dem Linuxcomputer angelegt. Ferner ist per "Eigenschaften" von "TCP/IP" die IP-Nummer einzutragen, unter der sich der Windowscomputer im Netzwerk angesprochen fühlen soll, z.B. 192.168.99.4. Diese Nummer muss auch in einer Tabelle auf dem Linux-Computer vorkommen. Die Tabelle heisst /etc/hosts.

Voraussetzungen auf dem Linux-Computer

Nun, das Netzwerk muss laufen. Wenn alle Computer eingestöpselt und hochgefahren sind, sollte man die vorgenannte IP-Nummer mit der Befehlseingabe, z.B., "ping 192.168.99.4" ansprechen können.
Für die angeschlossenen Windows-Computer legt man nacheinander in der Userverwaltung von Linux (Programm z.B. "kuser", als root aufzurufen) und in der Passwortverwaltung von swat denselben Namen mit Passwort an, den man auf dem Windowscomputer vergeben hat. Weiterhin ist eine Gruppe zu vergeben. Das muss dieselbe Gruppe sein, die man auch unter "Identifikation" auf den Windowscomputern vergeben hat. Die Gruppe ist für den jeweiligen User von Linux anzukreuzen und zentral in swat (Global) einzutragen. Groß/Kleinschreibung ist bei allen zu beachten.
Das vorerwähnte Verwaltungsprogramm von Samba, swat, wird über einen Browser, z.B. Firefox, aufgerufen. Man trägt als URL einfach ein: http://localhost:901. Kriegt man eine Fehlermeldung, so prüfe man nach, ob der Port 901 für swat in der Datei /etc/services freigeschaltet (ent-kreuzt) ist - und ob überhaupt die Dienste (xinetd) aktiv sind (bei SuSE in Yast2 über "Netzwerkdienste" einzustellen, di eZeile mit "swat" durch Anklicken markieren und per "Status wechseln" Button auf "an" stellen, wenn nicht schon geschehen).

Und der Zugriff vom Linuxcomputer auf den/die Windowscomputer?

Hat man alles richtig aufgesetzt, hat/haben der/die Windowscomputer den richtigen Namen verliehen bekommen, ist ihre IP-Nummer in "hosts" erwähnt und haben sie sich am Netzwerk eingeloggt, kann man ihre freigegebenen Laufwerke oder Directories mounten.
Bsp., der Windowscomputer heisse "medion", und man habe seinem Laufwerk "C:" die Freigabe unter Windows eingetragen und dieses Laufwerk dann "medion_c" genannt, so lege man auf der Festplatte des Linuxcomputers ein Verzeichnis an, z.B. "/laptop" und tippe ein: "mount //medion/medion_c /laptop", und schon kann man mit jedem Dateimanager, Browser usw. die Dateien auf dem Laptop sehen, wenn man das Verzeichnis "/laptop" durchsucht.


Zeitschriften: Für mich sind die "Linux User" und auch mal die "Linux Enterprise" immer nützlich. Etliche Artikel habe ich mir als umfassend dargestelltes Grundlagenwissen aufgehoben. Eine Nummer der "Easy Linux" flog hingegen nach fünf Minuten in den Papierkorb. Die meisten Artikel waren erwartungsgemäß trivial, und die "Tipps und Tricks" erwiesen sich auf meinem System nur als "Flops"...

Update 2008 (aus einem Posting von mir im Usenet):

Kontra:

Die Frage eines Users war:
> Die Programme sind ja an und für sich
> kostenlos. Du meinst wahrscheinlich, dass es sich nicht lohnt, weil Du
> dafür soviel Arbeitszeit aufwenden musst, richtig?

Antwort: "Da geht's noch nicht mal drum. Aber ein halber Meter hochqualifizierter
Fachliteratur hinter mir im Regal plus nochmal ein Meter nicht so hoch
qualifizierter, die ich wieder verkauft oder auch weggeschmissen habe, div.
Zeitschriften (in der Zeit, als ich noch dachte, sie würden von Fachleuten
geschrieben), Datenträger für Sicherungen usw. usf., Berücksichtigung der
Hardware- und Kompatibilitätslisten beim Kauf von Peripherie und Zubehör,
Online- und Energiekosten sowie Investitionen sind in wenigen Jahren easy
auf vierstellig aufgelaufen. So viel für XP, MS-Office, Virenscanner und
Co. zu verpulvern, wäre nicht leicht gewesen.

Dazu ist ein Teil des Deals natürlich, daß Linux-Programme, die es nicht
gibt, auch nichts kosten. Wenn Linux-Scannersoftware für Profi-Scanner
überhaupt lauffähig wäre (ist sie nicht, hier ein Nikon LS-1000
Negativscanner sowie ein mittelformatgeeigneter Canon D2400U, die beide nie
unter Linux laufen werden), würde sie trotzdem die nächsten ungefähr 1000
Jahre nicht an entweder Silverfast oder seinen billigeren (und besseren)
Konkurrenten Vuescan rankommen. Wer nur (dies an eine bestimmte
Fraktion...) Linux zum Rumschwadronieren in den Foren kennenlernen muß, den
kratzt das natürlich nicht, aber wer damit arbeitet und seinen Computer zum
Geldverdienen nehmen muss, der zahlt nämlich für Linux UND Windows.

Es gibt nun mal kein anerkanntes und für die GOB zertifiziertes
Buchhaltungsprogramm für Linux, von Lohnabrechnung ganz zu schweigen. Oder
nimm' Webdesign. Wenn in der Szene einer öffentlich seine Meinung kundtut,
Quanta oder Amaya seien Profi-Programme, dann ist schon klar, daß er sein
Geld nicht in der Branche verdient, denn für schnelles, sicheres und
rationelles Arbeiten brauchst du eine Website-Verwaltung (Bsp. du änderst
heute dein Logo, das du irgendwo auch in deine Kunden-Websites als Link
reinschmuggelst, dann möchtest du, dass du beim nächsten Aufruf der
letzteren daran erinnert und gefragt wirst, ob die neue Version auch dort
eingesetzt und hochgeladen werden soll).
Und wie sieht es in der Linux-Welt damit aus? Ja, tatsächlich hat einer von
den Linuxleuten kapiert, daß der total schrottige HTML-Editor, der schon
immer in Netscape drin war, vielleicht die allerneueste, erst seit ca. 1998
verbreitete Technik (CSS) haben sollte, und das reingebracht (KompoZer).
Übrigens für einen allein eine ganz schöne Leistung (danke an Kaze, der das
für die Windows- und Linux-Systeme programmiert hat). Bloß, wenn du in
diesem bisher professionellsten System eine Vorlage (Farben, Logo,
Standardmenü, Hintergrund, was eben für alle Seiten gilt) änderst, ändern
sich längst nicht die damit erstellten Seiten mit, dazu brauchts ein
Zusatzprogramm zum Updaten, das irgend ein Bastler als Freeware zur
Verfügung gestellt hat. Rate mal, unter welchem Betriebssystem das nur
läuft? Richtig, es fängt mit W... an ;-). Rate mal, was das macht, wenn man
tatsächlich den Weg geht, seine Aktualisierungen notgedrungen unter Windows
machen zu lassen (ist ja nicht jeden Tag nötig)? Es macht die
Meta-Informationen im unsichtbaren Seitenkopf platt, wie du nach einer
halben Arbeitswoche schließlich rauskriegst. Adobe, M$ und Co. wären seit
10 Jahren kaputt, wenn sie so etwas Unausgereiftes auf den Markt gebracht
hätten ;-).

Ja, und dann haben wir noch nicht über Hardware gesprochen. Mein Windows2000
ist glücklich, wenn ich ihm so um 350 MB RAM alloziere. KDE schickt mich
zum Kaffeekochen, wenn ich auf einem PC mit einem halben
Gigabyte RAM gleichzeitig Open Office und Firefox aufrufe, während es dann
nämlich die Aufgaben mit einem ca. Tausendstel der
Ausführungsgeschwindigkeit unter Hinzunahme der Swap-Partition auf der
Festplatte erledigt. (Nein, ich rufe Open Office nicht auf, weil ich so
gigantische Aufgaben damit zu erfüllen habe. Es gibt nur keine Entsprechung
von "Write" oder "Wordpad" unter Linux, die auch funktionieren würde, also
brauchst du das riesige Openoffice, auch wenn du nur einen Einkaufszettel
drucken willst. Was "Wordpad" entspricht, Abiword, schrieb bei mir nach Umlauten
grundsätzlich die zwei folgenden Buchstaben ineinandergedruckt,
jedenfalls unter Kubuntu und bei sachgerechter Installation und Bedienung,
in jedem Font und mit jedem Drucksystem oder Drucker. Aber das steht
natürlich nicht in der CT, die benutzen wahrscheinlich MS-Word unter Vista
zum Schreiben ;-). Und mal eben eine Tabelle, die du unter MS-Works 2.0 in
einer Minute hingebracht hättest, unter dem ebenfalls kleinen Gnumeric zu
aktualisieren, bringt dich zu der Erkenntnis, daß das Gnumeric im neuen
Ubuntu die Arbeitsblätter vom alten Ubuntu mit drei extra Nullen übernimmt,
aus Tausend wird eine Million. Wär schön bei meinem Bankkonto...).

Seien wir froh, daß Linux wenigstens die vom eigenen Windows geklauten TTF-Fonts
verarbeiten kann, sonst würden wir uns mit drei Schriftarten (mit Füßchen,
ohne Füßchen, Schreibmaschinenschrift) begnügen müssen. (Natürlich sind dafür
komplizierte Installationsanleitungen zu befolgen). Oder absonderliche
Font-Systeme installieren und dem Rat, den uns eingefleischte
Linux-"Fachleute" sowieso geben, folgen, nämlich mit einem antiken
Satzsystem die Steueranweisungen gleich auswendig in den Brief mit
reinschreiben, weil WYSWYG ja eh nur was für Unkundige ist ;-).

Also braucht die Kiste anderthalb GB RAM und ich bin schon froh, daß die
virtuellen Techniken so weit fortgeschritten sind, daß ich nicht zwei PC an
einem einzigen Schreibtisch laufen lassen muß, einen für Linux und einen
für Windows, samt Netzwerk dazwischen. (Schon das ist ein Tausender, alte
Währung, der wirklich, wahrhaftig, nachweisbar, und für jeden ersichtlich,
rein meinen Linux-Kosten zuzuschreiben ist).

Es wurde bei Linux als großer Fortschritt gefeiert, daß sog. GDI-Drucker
damit angesteuert werden konnten. Daß mein gutes altes Laserfax (MFC-9050
von Brother) aber eine Stunde und meistens zwei oder drei Re-Boots braucht,
um unter Linux auch eine Grafik auszudrucken, steht nicht in den bunten
Heften. Streiche also mal schön die billigen Samsung-Farblaserdrucker ohne
eigenes RAM, die du bei Saturn & Co. wenig über 200 Euro verkauft kriegst,
und schaffe dir für Linux einen guten an wie den HP 2550L (immerhin kein
schlechter Kauf), wo du erstmal einen Hunni in der Anschaffung drauflegen
musst und für den es regulär keine Toner-Sets unter 400 Euro gibt.

Ach ja, Energie. Es hat mich ja nur milde irritiert, daß Kubuntu auf meinem
Celeron 1200 PC als Stromsparmodus nur Suspend-to-RAM konnte. Dann
verbrauchte die Kiste eben über Nacht ein wenig Strom, um das RAM
aufrechtzuerhalten, und stürzte unter Datenverlust ab, wenn man's mit
Suspend to Disk (abspeichern und echte Abschaltung) probierte. Macht nix,
daß Linux-Programmierer und Möchtegernfachleute von Semantik und Redundanz
nix verstehen. So habe ich auf die harte Tour gelernt, daß die
Befehlseingabe "apm -s" Sparen bedeutet, "apm -S" dagegen Datenverlust ohne
Ende (seit Linux ein Dateisystem hat, bei dem nicht im Absturzfall alle
Dateien auch physisch auf der Platte zerstört werden, spart man dann auch
die Datenwiederherstellung bwz. Nacharbeit der noch nicht von der letzten
Datensicherung erfassten Arbeiten.
Zu Suse 10.3 und einem AMD-Computer gewechselt, musste ich mich umgewöhnen.
Hier führt das "Suspend to RAM" zum Stillstand mit Verlust aller Daten in
den offenen Programmen, während Suspend to DISK funktioniert (sort of...:
der PC schaltet sich nach Abspeicherung pflichtgemäß ab, und wieder
aufgeweckt, jedenfalls in den 99 Prozent aller Fälle, wo er wirklich zur
Weiterarbeit zu bewegen ist, kommt als erstes ein Fenster auf den
Bildschirm: "Suspend to Disk fehlgeschlagen" ;-) ). Naschön, schleichender
Stromverbrauch über Nacht bei dem einen, unnötiger Stromverbrauch in den
Arbeitspausen von 1/4 bis 1/2 Stunde, in denen Suspend to RAM angebracht
wäre, da schenken sich die beiden System nichts.

Es würde mich jedenfalls nicht so irritieren, wenn nicht auf jeder von
beiden Maschinen unter original gebootetem Windows 2000 beide
Suspend-Arten, ohne Macken, Einfrieren oder Daten funktionieren würden...
und es ist auch nicht so prickelnd, daß das Äonen (11 Monate) alte,
unzuverlässige Kubuntu ohne Murren auch Windows 2000 in einer Virtualbox
mit in den Schlaf nimmt und wieder aufweckt, während Suse sich weigert, mit
aufgerufenem Windows überhaupt in den Stromsparmodus zu gehen. Bei 15 Cents
pro Kilowattstunde und so um 150 Watt Stromverbrauch sind das keine
trivialen Jahreskosten mehr, für den Luxus, Linux zu betreiben.

Aber an Linux wird ja in aller Welt gearbeitet. Mit wenigen hundert Stunden
Recherche über Grafiktreiber kriegt es jeder Linuxianer hin, die neuesten
Desktop-Verzierungen in 3-D unter dem nächsten KDE zu installieren,
wetten ;-)."

Pro: "Hier mal eine Aufzählung von den Anwendungen, die mir
spontan einfallen, die man mit einem Linux-System gleich gut oder besser
erledigen kann wie mit käuflichen (Programme sind oft nur als Beispiele zu
verstehen - als E-Mail-Client ist Thunderbird auch nicht schlechter als
KMail, und obwohl ich mich so schön an KDE gewöhnt habe, bietet Gnome
parallel dazu eine ganze Reihe Alternativen):

Internet: Browser Firefox, E-Mail-Client KMail, Usenet Knode
Schreiben, Newsletter in PDF erzeugen, Kalkulation, PPD-Präsentationen
öffnen und bearbeiten: Open Office (Fachbuch & Tutorials durcharbeiten
erforderlich, wenn's über eine Briefseite hinausgeht)

Palm/Treo Termine und Adressverzeichnisse im PC führen: JPilot
(unerlässlich: per Google nach der logischen Adresse seines PDA auf seinem
Linux und auf seiner Maschine recherchieren, die man nämlich in JPilot
eintragen muß - ist aber einfach)

Fotos angucken und bearbeiten: Gqview, GIMP

Bilddaten, die direkt in Digitalfotos von der Camera eingespeist sind,
ansehen und Bemerkungen (Namen, Orte usw.) hinzufügen, sodaß sie auch im
verbreitetsten Windows-Programm Irfanview angesehen werden können (da
gibt's nämlich von Software zu Software frustrierende Unterschiede):
Gwenview

Windowsprogramme wie Word2000, Dreamweaver bis MX, Coreldraw 7 (kein
anderes), Fireworks bis Version 2 unter Linux laufen lassen: Crossover
(kostet um 40 Dollar, bringt ca. halbe Geschwindigkeit)
- viele andere Windowssoftware oder auch Wine ohne den Crossover-Überbau
kann man als zu unzuverlässig laufend vergessen -

Alle Windowsprogramme gleichzeitig mit Linux ohne Einschränkung laufen
lassen, kein SCSI: Virtualbox (proprietäre Freeware, Windows zusätzlich
erforderlich, 1 - 1.5 GB RAM unbedingt empfehlenswert)

Electronic Banking (einarbeitungsbedürftig, dann aber zuverlässig und
produktiv) Jameica/Hibiscus, kostenlos erhältlich als Javaprogramm für
mehrere Betriebssysteme

Softwareentwicklung: GCC-Compilerfamilie (Gott, hab' ich wirklich früher 200
Mark für Turbo-C und dann vierstellige DM für Microsoft C 5.1
abgedrückt?!)

HTML-Editor, gut für erfahrene Codierer: Bluefish

Visueller HTML-Editor für Anfänger: KompoZer (unausgereift, aber ein
wichtiges Feature, CSS, ist so hochentwickelt darin wie in einem
hochmodernen Adobe GoLive)

Für den ganzen anderen Kleinkram, den man so braucht oder gewohnt ist, gibt
es teils gleichwertige Lösungen (kleiner Editor Kate, div. FTP-Programme,
Arbeitszeiterfassung, Terminuhr usw. usf.), teils nur große Lücken oder
Bastlermüll, u.a. im hardwarenahen Bereich (TV-Karten, Multimedia,
VoIp-Telefonie - oder warum kriege ich zwar die Eröffnungströte über meine
Lautsprecher zu hören, die die KDE-Leute bei Windows abgeguckt haben, aber
zu irgendwelchen von TV-Karte mitgeschnittenen Avis keinen Mucks, ohne daß
ich ein Vierteljahr Studium Generale in Punkto Soundkarten und Ansteuerung
absolviere...).

Vor ein paar Jahren habe ich meinen 233er Pentium Computer ausgemustert und
mit Win98 für einen älteren Freund im Rentenalter fertiggemacht. Mit einem
Knoppix oder Kubuntu würde ich ihn heute unter Linux installieren und nach
meiner Überzeugung würde besagter Freund, der sich seinerzeit in Windows
ganz neu eingearbeitet hat, es bis heute nicht gemerkt haben. Aber da
geht's um Recherchen von Wanderzielen und -Wegen, Reisebuchungen online und
Abfassung von Rundschreiben über E-Mail als auch Ausdruck. Und warum er,
wenn er seinen Computer ausschalten will, unter Windows auf "Start" klicken
muss oder "Datei" anwählen, um zu "Drucken" zu kommen, konnte ich ihm
damals auch nicht besonders leicht plausibel machen..."


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