Hannes Birnbacher, Windhagen/Ww.

Hilfe, Wühlmäuse!

1. Maulwurf oder Wühlmaus?

Wühlmäuse kann man von Maulwürfen unterscheiden, indem man die Haufen aufgräbt und das Loch zudeckt: Wühlmäuse machen die aufgegrabene Stelle binnen weniger Stunden mit lockerer Erde wieder zu. Das ist wichtig. Hat man etwa einen Maulwurf, lässt man ihn besser leben, denn Maulwürfe sind Fleischfresser: sie lassen unsere Pflanzen in Ruhe und fressen nur die Schädlinge. Ausserdem steht er unter Naturschutz. Darüberhinaus muß man sich darüber im Klaren sein, daß die "Infrastruktur", mehrere hundert Meter unterirdische Gang- und Speichersysteme, bestehen bleibt und alsbald wieder besiedelt wird, wenn man den derzeitigen Bewohner vernichtet. Ist das Gangsystem von einem Maulwurf besiedelt, verteidigt er es gegen die Wühlmäuse.
Aus http://www.faunistik.net/BSWT/MAMMALIA/RODENTIA/ARVICOLIDAE/ARVICOLA/arvicola.terrestris.html: "Die Schermaus lebt überwiegend unterirdisch. Sie wirft ähnlich dem Maulwurf Gänge auf, die aber flacher und in der Form unregelmäßiger sind. Die Erde ist feiner und meist mit Pflanzenresten vermischt. Der Maulwurf schiebt gleichmäßig geformte, hohe Erdhaufen ohne Pflanzenreste. Sein Gang endet mitten unter einem Erdhaufen. Häufig benutzen jedoch Maulwurf und Schermaus das gleiche Gangsystem. Dann ist eine Unterscheidung nicht ohne weiteres möglich".

("Die frisch aufgeworfenen Maulwurfshaufen sind demnach spitzkegelig und liegen direkt über dem Gangende im Gegensatz zu den verwühlten, flachen und meist kleineren Haufen der Schermaus, die seitlich neben der Ausmündung des Ganges an der Erdoberfläche liegen", siehe http://www.faunistik.net/BSWT/MAMMALIA/INSECTIVORA/TALPIDAE/talpa.europaea_bau.html).

2. Voraussetzungen für die Bekämpfung von Wühlmäusen mit Fallen

Es gibt keine Tricks, Wunderpflanzen oder Geräte, mit denen man Wühlmäuse (oder auch Maulwürfe) vertreiben kann. Irgend welche Mottenkugeln, lärmproduzierende eingegrabene Flaschen, teure Batteriegeräte (die mit Ultraschall auch noch beim Nachbarn Kopfschmerzen auslösen können), Einleitung von Abgas, Wunderpflanzen, explosivem Gas oder Wasser usw. sind einfach nur Schwachsinn. (Dies unter dem Vorbehalt, daß professionelle Schädlingsbekämpfer mit ihren ganz anderen Mitteln und ihrer Ausbildung selbstverständlich wirksam arbeiten, nur eben nicht wir Anfänger, und schon gar nicht mit immer wieder abgeschriebenen Ratschlägen aus dem Internet). Man lege sich auch (nicht nur bei einem Thema wie Maulwurf-Vergrämung) eine kritische Haltung zu, wenn auf zahlreichen, vermeintlich privaten Internetseiten am Ende per Link immer wieder ein bestimmtes Präparat oder chemisches Mittel angepriesen wird, begleitet von ebenfalls vermeintlichen Erfahrungsberichten, die das Mittel durchweg himmelhoch loben.

Maulwürfe, aber auch Wühlmäuse sind Einzelgänger, die nur in der Paarungszeit zusammenfinden. Die unterirdischen Gänge werden nur von einem einzelnen Tier genutzt.

Das Wichtigste ist, das Gangsystem kennen zu lernen und zu üben, wie man Wühlmausfallen einsetzt, ohne die Gänge beim Aufgraben zu verschütten!

Ferner handelt man sofort, wenn man die Aktivität eines Wühlers bemerkt! Je mehr Gänge er gräbt, desto geringer die Chance, daß man ihn gerade in dem Gang erwischt, in dem man eine Falle gesetzt hat. Es gilt auch, die manchmal sehr unscheinbaren Wühlmaushügel auszumachen. Auf http://hausmaus.at/WuehlmaushaufenKleinGross01.htm sind Aufnahmen von manchmal kaum erkennbaren Auswürfen.

Man gräbt nicht die Erdhügel auf (Wühlmäuse werfen diese sowieso versetzt zu ihren Verbindungsgängen auf!), sondern stellt das Einsinken der Grasnarbe über den Gängen fest oder sucht sie auf ungefähr der Verbindungslinie zwischen Erdhaufen. Dort stochert man mit einer Sonde (bei mir ein 12mm Kupferrohr, Installationsrest mit einer Länge von ca. einem Meter, dessen Ende flach zusammengehämmert wurde), bis man feststellt, daß sie um ein paar Zentimeter in's Leere einsinkt, und setzt dort die Falle auf.
Den größten Schatz an Erfahrungen und Anleitungen zum Fang von Wühlmäusen findet man auf http://www.hausmaus.at/F4.htm.

 

3. Bekämpfung


Tote Wühlmaus-Sei nett zu Katzen. Vielleicht erwischen sie eine Wühlmaus beim Zuwandern und machen sie Dir zum Geschenk wie die abgebildete. Sie ist übrigens ca. 20 Zentimeter groß.

Nachdem ich seit der ersten Version dieser Webseite (2001) mit Fallen keinen Erfolg hatte, seien es bayerische Drahtfallen, in die die Wühlmaus erst ihren Kopf hineinstecken muss, bevor sie mit einem kräftigen Schnauzendruck den Auslöser drückt, sei es die badische Variante mit dem angeketteten Plättchen, die garantiert von selber losgeht, bevor man sie weit genug in die sichtbar gewordene Gangöffnung hineinstecken konnte, habe ich mit einer Supercat Falle (um 14,50 Euro), weitab vom nächsten Erdhaufen in einen durch die Sonde gefundenen Gang eingesteckt, am übernächsten Morgen meinen ersten Fang erzielt. Diese Falle braucht nur ein kleines Loch von sechs Zentimetern Durchmesser im Rasen, wirkt in beiden Richtungen (man braucht also nur eine zu kaufen, wo man zwei Drahtfallen bezahlen musste) und hat eine sichere Auslösung. Ob sie gewirkt hat, kann man auch aus der Entfernung kontrollieren, weil der Spannhebel nach oben aus der Erde ragt. Wichtig ist nur, daß man die Gangmündungen nach beiden Seiten sorgfältig mit den Fingern freiräumt (ich nehme dazu Vinylhandschuhe aus dem 50er Pack, da man nach dem Aufgraben bzw. dem einfachen Aufstechen mit irgend einem Rohr erst die beiden Gangmündungen ertasten können muss) und die Falle oben luft- und lichtdicht mit Erde anklopft.
Mit Drahtfallen habe ich noch nie einen Wühler erlegt. Sie sind wohl eher etwas für den Spezialisten in der Landwirtschaft, der ihre leicht einstellbare Auslösung (wenn sie etwas angerostet sind) schätzt und daß sie weit in einen Gang hineingesteckt werden, sodaß der Wühler keinen Weg drumherum findet. Mit der Supercat und mit Zangenfallen dagegen habe ich Stück für Stück der lästigen Nager erwischt. Beide erfordern es nicht, daß man seinen Rasen mit einem Spaten öffnet, und beide wirken unabhängig davon, von welcher Seite des Ganges das Tier daherkommt. Die Zangenfallen lösen schwerer aus, sodass mir die Wühlmäuse schon mal den Köder herausgenagt haben. Macht nichts, dann gewöhnen sie sich tagelang an's Frühstücksbuffet und irgendwann haben sie ja doch Pech.

Bei den Zangenfallen ist es nicht nur ein Vorteil, sondern eine Notwendigkeit, daß man den Gang nur auf einer eng begrenzten Weite aufgräbt, am besten mit einem Messer aufsticht. Mit oder ohne Köder, es führt kein Weg drum herum.

Als die wirksamste Falle wird allerdings fast einstimmig der Kieferle Selbstschußapparat (ab ca. 25 Euro) bezeichnet, der mit Platzpatronen arbeitet. Der Gasdruck tötet das Tier schon beim Verwühlen der Falle. Die Patronen kosten um 0,50 Euro pro Stück, was bei "jeder Schuß ein Treffer" durchaus lohnend gegenüber Giften, Ködern, den nicht mehr zugelassenen Arrex-Giftgasgeneratoren usw. ist.

Zweite Meinung gefällig? Eine sehr gute Besprechung der Fallentypen findet sich in diesem PDF.

4. Gartenbauliche Vorbeugung

Dauerhaft dürfte das Problem mit einer sog. Maulwurfsperre, Maulwurfmatte, auch Maulwurfgitter oder einem Geogitter genannt zu beheben sein: ein Gitter, das horizontal vier bis zehn Zentimeter unter der Oberfläche eingebracht wird, bevor man Rollrasen oder Rasensaat aufbringt, und dem Maulwurf das Aufwerfen von Hügeln verwehrt. Ein kräftiges Kunststoffgitter mit 350 Gramm pro Quadratmeter kostet ab ca. zwei Euro pro Quadratmeter, eine dünne Maulwurfmatte mit 90 Gramm pro Quadratmeter um einen Euro. Landschaftsbauer bieten bei Rollrasen die Maulwurfsperre im Gesamtpaket schon mit an.


- Und dann gibt's natürlich auch die Möglichkeit, seine Gewächse mit Körben aus Kaninchendraht zu schützen. Wer nicht selber basteln will, kann sie aus verzinktem oder blankem 13mm Maschendraht bei www.wuehlmaus-stop.de bestellen (nach Stand 20. Januar 2014 ab 6,95 Euro, MIndestbestellwert 65,00 Euro).

5. Anhang: Kaufberatung Fallen

Da ich immerhin im Leben schon eine (1.0) Wühlmaus in einer Falle gefangen habe, fühle ich mich jedenfalls mehr berufen, Tipps zu geben, als es die bezahlten Texter mit Suchbegriff-Vorgaben oder Verfasser von Füllseln für Anzeigenzeitschriften verantworten können.

Für den landwirtschaftlichen Fallensteller, der morgens mit 100 Bayerischen Drahtfallen hinauszieht, um den Wühlmausbefall einer Viehweide zu bekämpfen, gelten andere Umstände als für den Gartenbesitzer: der Stückpreis zählt, ebenso das Gewicht (!), und er weiss damit umzugehen. Für uns Laien sind andere Dinge wichtiger:

  • Löst die Falle leicht aus, ohne daß man viel Erfahrung haben muss? Eine Supercat Falle lässt sich nach meiner eigenen Erprobung ohne alle Geduldsübung beim Einstellen mit einem Stück Küchenpapier auslösen, eine Drahtfalle geht mit einer Visitenkarte (ohne Biegen zur Stabilisierung) nur auszulösen, wenn sie angerostet ist und daher nicht bei den empfindlicheren Einstellungen "auf Ende" von selber abrutscht. Der Fangerfolg bei letzteren dürfte in unmittelbarem Zusammenhang damit stehen, ob man das Stellen erfolgreich geübt hat, sonst können sie wohl nur von den Sumoringern unter den Wühlmäusen ausgelöst werden. Bei den eigentlich vielversprechenden Zangenfallen wird es ebenso sein.
    Die Scharfstellung eines Kieferle Schussapparates ist wohl auch nicht von der Übung und Geschicklichkeit abhängig.
  • Wie viele Fallen braucht man? Bei den Drahtfallen sind zwei nötig, für jede Richtung des Ganges
    Eine Kastenfallen zum Vergraben habe ich nie in Erwägung gezogen, bei denen braucht man ja einen Bagger, um sie überhaupt in die Erde zu bringen. Und davon auch noch zwei Stück?!
    Die Supercat (Kunststoff, ca. 15 Euro) bzw. Swisscat (Edelstahl, ca. 30 Euro) löst aus, egal, von welcher Richtung die Maus kommt, und ersetzt daher zwei Drahtfallen. Ferner muss man nur ein winziges Loch von sechs Zentimetern Durchmesser ausstechen.
    Der Kieferle Schussapparat wirkt natürlich nur in eine Richtung, wenn man nicht eine Zusatzhalterung verwendet, in die der Schussapparat senkrecht aufgesetzt wird. Er ist trotz seines Preises um 35 Euro plus Zubehör plus Patronen in Problemfällen unentbehrlich, weil er als einzige Falle überhaupt nicht durch Zuwühlen ausser Funktion gesetzt wird.
  • Muss die Falle gespannt werden, bevor man sie in den Gang einsetzt? Bayerische als auch Badische Drahtfallen können einen in den Wahnsinn treiben - hat man als Anfänger gelernt, sie empfindlich genug einzustellen, lösen sie garantiert beim Einstecken in den Gang vorzeitig aus. Bei Swisscat, Topcat, Kieferle Schussapparat kann das nicht passieren, und übrigens scheint die Wolf'sche Drahtfalle auch erst nach dem Plazieren gespannt zu werden, auch wenn die Verkaufsbeschreibungen, die ich im Internet darüber gesehen habe, zu unprofessionell sind, als daß man auf diesen Vorteil aufmerksam würde.
  • aktuelle Erfolgsberichte: Januar 2014 mit 1 Supercat Falle 1 Tier, 24. Februar 2014 mit 1 Supercat Falle 1 Tier, mit zwei Zangenfallen, benachbart aufgestellt und mit Mohrrüben-Stückchen beködert sowie abgedeckt mit schwarzem Bau-Eimer 1 Tier, 2 Drahtfallen (unbeködert) keine Fänge.

 

Kurz-URL dieser Seite: http://tinyurl.com/ykpskco


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Stand: 17. Januar 2014